
Grenzen ziehen, bevor der Agent losläuft
In den vergangenen zwei Wochen haben wir geklärt, was ein Agent überhaupt ist und gesehen, dass nicht die Abteilung über die Verlässlichkeit entscheidet, sondern die Länge der Aufgabenkette. Heute schließen wir die Serie mit der Frage, die vor jedem Einsatz steht. Was muss im Unternehmen vorhanden sein, damit das Ganze (gut) klappt?
Die Fraunhofer-Studie gibt darauf fünf Empfehlungen. Drei davon betreffen Dinge, die viele Unternehmen unterschätzen, weil sie unspektakulär klingen.
Teil 3 unserer Serie: „Agenten im Realitätscheck".
Der Aha-Effekt: Ein Agent braucht Grenzen
Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik formuliert es zugespitzt. Agenten in der Industrie brauchen klar gesetzte Grenzen dringender als zusätzlichen Handlungsspielraum. Das klingt erst einmal wie eine Bremse. Tatsächlich ist es die Bedingung dafür, dass ein Agent überhaupt produktiv arbeiten kann. Ein System, dem niemand gesagt hat, wo es aufhören soll, lässt sich im laufenden Geschäft schlicht nicht einsetzen und daran ändert auch das leistungsfähigste Modell im Hintergrund nichts.
Drei Voraussetzungen, die vor dem Start stehen sollten
Eine Umgebung, in der Fehler nichts kosten: Fraunhofer empfiehlt ausdrücklich, in geschützten Umgebungen zu starten. Praktisch heißt das: Eine Kopie der Daten, ein abgegrenztes Postfach, ein Testmandant. Alles, worin ein Fehlgriff folgenlos bleibt. Der Aufwand ist gering, für die IT ist das meist ein Nachmittag. Bezahlt macht sich die Mühe beim ersten Fehlgriff des Agenten und dieser Fehlgriff kommt mit ziemlicher Sicherheit.
Daten, auf die Verlass ist: Das ist die unbequemste der drei Voraussetzungen. Ein Agent, der auf unsauberen Stammdaten arbeitet, trifft Entscheidungen auf falscher Grundlage und tut das mit voller Überzeugung. Dubletten im Kundenstamm, veraltete Preise, halb gepflegte Felder. Einem Menschen fällt so etwas beim Durchsehen auf, weil er stutzig wird, wenn eine Zahl nicht zum Rest passt. Ein Agent rechnet einfach weiter. Wer hier vorher aufräumt, erledigt nebenbei eine Aufgabe, die in den meisten Unternehmen seit Jahren überfällig ist.
Regeln, die vorher feststehen: Kontrollmechanismen lassen sich nachträglich nur schwer einziehen. Lege deshalb vor dem Start fest, welche Aktionen der Agent ohne Rückfrage ausführen darf, ab welchem Betrag oder welcher Tragweite ein Mensch zustimmen muss und wie ein Abbruch abläuft, wenn etwas aus dem Ruder zu laufen droht. Diese drei Festlegungen passen auf eine halbe Seite und ersparen später sehr unangenehme Gespräche.
Die Liste vor dem Start
Sieben Fragen, die Du vor dem ersten Einsatz beantworten können solltest.
- Läuft der Agent auf Kopien oder auf Echtdaten?
- Wer im Unternehmen ist zuständig, wenn er etwas Falsches tut?
- An welcher Stelle muss ein Mensch zustimmen?
- Wie lang ist die längste Kette ohne Zwischenprüfung?
- Woran erkennen wir, dass er gut arbeitet, in Zahlen?
- Wie schalten wir ihn ab, und wer darf das?
- Wissen die betroffenen Mitarbeitenden Bescheid?
Die letzte Frage wird am häufigsten übersehen, dabei nennt Fraunhofer das frühe Einbinden der Mitarbeitenden ausdrücklich als eine der fünf Empfehlungen und zwar aus gutem Grund: Ein Team, das erst vom Agenten erfährt, wenn er schon läuft, findet zuverlässig Gründe, warum er nicht funktioniert.
Warum diese Serie mit einer (vermeintlichen) Bremse endet
Drei Wochen lang ging es um Systeme, die eigenständig handeln. Der Abschluss klingt nach dem Gegenteil, nach Grenzen, Kopien und Freigaben. Das ist kein Widerspruch. Die Unternehmen, bei denen Agenten heute produktiv laufen, sind selten die mit der größten Risikobereitschaft, sondern diejenigen, die vor dem Start sauber aufgeschrieben haben, was das System darf und wo es anhalten muss. Wer diese Fragen vor dem Start beantwortet, kann anschließend deutlich mutiger sein als jemand, der es umgekehrt versucht hat.
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Robert
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