Zwei Stunden Nacharbeit pro Fall: Was Workslop (D)ein Unternehmen kostet

Zwei Stunden Nacharbeit pro Fall: Was Workslop (D)ein Unternehmen kostet

October 7, 2026
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Wenn KI mehr Arbeit macht, als sie spart

Nach einer kurzen Auszeit in der vergangenen Woche, melden wir uns nun zurück mit der nächsten Serie. Mitte September hat der Bitkom gemeldet, dass erstmals die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI einsetzt, gezählt ab 20 Beschäftigten. 57 Prozent sind es inzwischen. Vor zwei Jahren waren es 20.

Mit der Verbreitung kommt eine Nebenwirkung, die in keiner Nutzungsstatistik auftaucht. Du kennst sie vermutlich. Jemand aus dem Team schickt Dir ein Konzept, drei Seiten, sauber gegliedert, mit fetten Zwischenüberschriften. Nach dem zweiten Absatz merkst Du, dass nichts davon zu Eurem Projekt passt. Den Rest des Nachmittags verbringst Du damit, herauszufinden, was gemeint war.

Dafür gibt es inzwischen einen Namen: Workslop. Gemeint sind Arbeitsergebnisse, die mit KI entstanden sind, professionell aussehen und inhaltlich wenig taugen.

Teil 1 unserer neuen Serie: „Wenn KI mehr Arbeit macht, als sie spart".

Der Aha-Effekt: Die Arbeit wechselt nur den Schreibtisch

Wer ein Ergebnis mit KI erzeugt und ungeprüft weitergibt, spart Zeit. Erledigt ist die Arbeit damit nicht. Sie landet beim Empfänger, der nun prüfen, nachfragen und neu schreiben muss. Den Schaden trägt also jemand, der die KI gar nicht benutzt hat.

Was die Forschung gemessen hat

Der Begriff stammt aus einer Studie des Stanford Social Media Lab und des Beratungsunternehmens BetterUp Labs, erschienen im September 2025 in der Harvard Business Review. Befragt wurden 1.150 Vollzeitbeschäftigte in den USA. Drei Befunde sind für uns besonders aufschlussreich.

Das Phänomen ist verbreitet: 40 Prozent der Befragten hatten im zurückliegenden Monat mindestens ein solches Ergebnis bekommen. Im Schnitt schätzten sie, dass rund 15 Prozent aller Arbeitsergebnisse, die bei ihnen eingehen, in diese Kategorie fallen.

Jeder Fall kostet ungefähr zwei Stunden: So lange brauchten die Befragten im Durchschnitt, um ihn zu entschlüsseln, nachzurecherchieren und in Rückfragen zu klären. Übertragen auf ein Unternehmen mit fünfzig Beschäftigten heißt das: Bekommen 40 Prozent davon nur einen einzigen Fall im Monat, sind das vierzig verlorene Arbeitsstunden. Das ist eine volle Arbeitswoche, und die Rechnung ist vorsichtig, weil sie nur einen Fall pro Person ansetzt.

Am schwersten wiegt der Schaden beim Vertrauen: Rund die Hälfte der Befragten hielt die Absender danach für weniger kompetent und weniger verlässlich. Etwa ein Drittel wollte künftig seltener mit ihnen zusammenarbeiten. Ein schlecht geprüftes Dokument kostet also mehr als den Nachmittag, den jemand mit der Nacharbeit verbringt, weil es auch verändert, wie Kolleginnen und Kollegen einander einschätzen und zusammenarbeiten.

Drei Erkennungszeichen

Workslop ist selten offensichtlich falsch, sonst würde ihn niemand verschicken. Er fällt meist an drei Merkmalen auf.

  1. Viiel Struktur bei wenig Inhalt: Überschriften, Aufzählungen und Fettungen, hinter denen Sätze stehen, die in jedem anderen Unternehmen genauso stimmen würden.
  2. Behauptungen ohne Beleg, also Aussagen über Märkte, Kunden oder Zahlen, für die nirgends eine Quelle steht.
  3. Diee leicht verschobene Antwort: Der Text behandelt ein Thema, das so ähnlich klingt wie die gestellte Frage, beantwortet sie aber nicht.

Wer eines dieser Zeichen bemerkt, sollte zurückfragen, bevor er weiterarbeitet, denn jede Stunde, die in einen fehlerhaften Entwurf fließt, fällt später ein zweites Mal an.

Warum das kein Argument gegen KI ist

Es wäre bequem, aus diesen Zahlen zu schließen, dass KI im Büro unterm Strich mehr Schaden anrichtet, als sie nützt und dass man die Werkzeuge am besten gleich wieder abschaltet. Die Studie gibt das nicht her. Sie beschreibt ein Problem der Übergabe. Wer ein Ergebnis weiterreicht, bleibt dafür verantwortlich, ganz gleich, ob der erste Entwurf von einem Menschen, einer Vorlage oder einer KI stammt. Solange das im Team niemand ausspricht, schieben sich die Beteiligten gegenseitig Arbeit zu und wundern sich, warum am Ende alles länger dauert als vorher.

Robert Iuga Portrait

Robert

Digital Transformation Manager

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