„Nutzt überall KI”: Wie gut gemeinte Vorgaben Workslop begünstigen

„Nutzt überall KI”: Wie gut gemeinte Vorgaben Workslop begünstigen

October 14, 2026
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Wenn KI mehr Arbeit macht, als sie spart

Vergangene Woche ging es darum, was Workslop ist und was er kostet: Arbeitsergebnisse, die mit KI entstanden sind, professionell aussehen und beim Empfänger rund zwei Stunden Nacharbeit verursachen. Heute widmen wir uns der Frage, woher er kommt.

Die naheliegende Antwort lautet, dass manche Leute eben bequem sind. Wer so denkt, sucht die Ursache bei einzelnen Kolleginnen und Kollegen und die Lösung in Ermahnungen. Die Forschung sieht das deutlich anders.

Teil 2 unserer Serie: „Wenn KI mehr Arbeit macht, als sie spart”.

Der Aha-Effekt: Die Persönlichkeit erklärt am wenigsten

Die Forscher aus Stanford und von BetterUp Labs, die den Begriff geprägt haben, legten im Februar eine Folgestudie vor, die nach den Ursachen fragt. Untersucht wurden persönliche Merkmale ebenso wie das Arbeitsumfeld. Nach den Ergebnissen hängt Workslop am stärksten mit den Bedingungen im Unternehmen zusammen. Persönlichkeitsmerkmale landeten in der Rangfolge auf dem letzten Platz. Für eine Geschäftsführung ist das unbequem, denn diese Bedingungen setzt sie selbst.

Drei Ursachen, die sich ändern lassen

Die Vorgabe ohne Anleitung: Der stärkste Einzelfaktor in der Studie war die Anweisung, KI zu nutzen. Gemeint ist die pauschale Aufforderung nach dem Muster „Nutzt überall KI”, ohne zu sagen, wofür KI taugt und wofür nicht. Meist ist sie gut gemeint, weil die Führung möchte, dass das Team die neuen Werkzeuge ausprobiert. Die Forscher formulieren es so: Wenn Führungskräfte KI überall und jederzeit propagieren, leben sie vor, dass es beim Einsatz auf Urteilsvermögen nicht ankommt. Das Team übernimmt diese Haltung, und die Ergebnisse sehen entsprechend aus.

Erschöpfung und Zeitdruck: An zweiter Stelle steht, wie viel Energie den Beschäftigten bleibt. Wer am Ende einer langen Woche noch drei Zusammenfassungen schuldet, greift zum Werkzeug, das in Sekunden etwas Vorzeigbares liefert, und schickt es weiter, ohne es gründlich zu lesen. Unter Druck ist das ein naheliegendes Verhalten. Workslop ist in diesem Sinn oft ein Symptom für zu volle Kalender.

Unsicherheit im Team und am Werkzeug: Danach folgen zwei weitere Faktoren. Der eine ist fehlende psychologische Sicherheit, also die Sorge, sich mit einer Rückfrage oder dem Satz „das Ergebnis taugt nichts” eine Blöße zu geben. Der andere ist geringe Souveränität im Umgang mit KI. Wer nicht einschätzen kann, wie gut ein Ergebnis ist, hält das Erstbeste schnell für fertig. Dazu passt ein Befund des Bitkom: 66 Prozent der Unternehmen schätzen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein.

Drei Fragen für die eigene Führungsrunde

Ob Workslop in Deinem Unternehmen eher gefördert oder gebremst wird, lässt sich mit drei Fragen ziemlich schnell herausfinden.

  1. Haben wir gesagt, dass KI genutzt werden soll, aber nie, wofür?
  2. Darf bei uns jemand offen sagen, dass ein KI-Ergebnis unbrauchbar ist, auch wenn es von der eigenen Vorgesetzten stammt?
  3. Loben wir, dass jemand KI benutzt, oder loben wir, was am Ende dabei herauskommt?

Wer bei der dritten Frage ehrlich zögert, hat vermutlich die wichtigste Stellschraube schon gefunden.

Warum die Nachricht eine gute ist

Die Folgestudie ist ein Vorabdruck, also noch nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet und finanziert hat sie BetterUp, ein Anbieter von Coaching-Plattformen. Die Befunde beruhen auf Selbstauskünften. Die Richtung ist trotzdem plausibel und sie hat eine angenehme Konsequenz. Wenn Workslop vor allem aus Vorgaben, Arbeitslast und Unsicherheit entsteht, dann lässt er sich mit Führung beheben. Niemand muss ausgetauscht oder ermahnt werden. Es reicht, die Bedingungen zu ändern, unter denen gearbeitet wird.

Robert Iuga Portrait

Robert

Digital Transformation Manager

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